2026 kommen im E‑Commerce mehrere neue Pflichten auf Händler zu, die wichtigste ist der verpflichtende Widerrufsbutton ab 19. Juni 2026, dazu kommen u.a. erweiterte Produkt‑/Nachhaltigkeitsinformationen und strengere Regeln zu Green Claims und digitalen Produkten.


1. Widerrufsbutton ab 19.06.2026

Ab 19. Juni 2026 müssen alle Unternehmer, die online Verträge mit Verbrauchern schließen und bei denen ein Widerrufsrecht besteht, einen klar erkennbaren Widerrufsbutton bereitstellen (Umsetzung der EU‑Richtlinie (EU) 2023/2673, geplanter § 356a BGB).

Der Button muss gut sichtbar sein, verständlich beschriftet (z.B. „Vertrag widerrufen“) und den Widerruf mit wenigen Klicks ohne Medienbruch ermöglichen, ähnlich dem schon bekannten Kündigungsbutton.

Betroffen sind praktisch alle B2C‑Onlineshops für Waren, Dienstleistungen, digitale Inhalte sowie Abos; bei falscher oder fehlender Umsetzung drohen Abmahnungen und Bußgelder.

Beispiel: In einem Kundenkonto oder in der Bestellübersicht muss der Kunde seine Bestellung auswählen und über den Widerrufsbutton den Widerruf auslösen können, inklusive Bestätigungsseite und Dokumentation.

Weitere Informationen zu dieser neuen Gesetzgebung finden Sie hier.


2. EU-Gewährleistungs- und Garantielabel (Pflicht ab 09.2026)

Ab dem 27. September 2026 sind alle Online-Händler im EU-Onlinehandel verpflichtet, ein neues EU-Gewährleistungs- und Garantielabel zu verwenden. Das europaweit einheitliche Label informiert Verbraucher standardisiert über die gesetzliche Gewährleistungsdauer und über freiwillige Herstellergarantien.

Das spezielle EU-Garantielabel ist insbesondere dann verbindlich, wenn Hersteller eine kostenlose Haltbarkeitsgarantie von mehr als zwei Jahren für das gesamte Produkt gewähren. Design, Farbgebung und Platzierung sind strikt vorgegeben und dürfen nicht angepasst werden.

Für B2C-Shops und Marktplatzhändler bedeutet dies, dass technische Anpassungen an Produktdaten, Attributlogiken und Templates erforderlich sind, um das Label korrekt, sichtbar und regelkonform auszugeben. 

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3. Produkthaftung & digitale Produkte (PLD)

Die neue EU‑Produkthaftungsrichtlinie (PLD) weitet die Haftung ausdrücklich auf digitale Produkte und Software aus; auch Importeure, Händler und Marktplatzbetreiber werden stärker in die Verantwortung genommen.

Geschädigte erhalten erleichterte Beweislastregeln, z.B. bei komplexen KI‑ oder IoT‑Produkten; die Richtlinie muss bis 9. Dezember 2026 in nationales Recht umgesetzt werden, sodass Händler ihre Prozesse und Verträge schon 2026 vorbereiten sollten.

Für Shops mit vernetzten Geräten, SaaS‑Leistungen oder digitalen Bundles bedeutet das: höhere Anforderungen an Dokumentation, Updates, Sicherheitsmaßnahmen und interne Haftungsregelungen.

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4. Green Claims, Nachhaltigkeit & digitale Produktpässe

Es werden schärfere Regeln für Green Claims erwartet: Aussagen wie „klimaneutraler Versand“, „umweltfreundliche Verpackung“ oder „100% recycelbar“ müssen künftig belegbar, transparent und überprüfbar sein; sonst drohen Abmahnungen und behördliche Sanktionen.

Für viele Produktgruppen (z.B. Elektronik, Möbel, Textilien) wird ein digitaler Produktpass eingeführt, der umfangreiche Produktinformationen (Materialien, Reparierbarkeit, CO₂‑Fußabdruck, Herkunft) digital verfügbar machen soll; Online‑Händler und Marktplätze müssen diese Informationen im Shop bereitstellen und auf Vollständigkeit achten.

Beispiel: Bei einem Elektronikprodukt muss im Produktdetail künftig ein strukturierter Informationsblock mit Reparaturmöglichkeiten, Ersatzteilen und Nachhaltigkeitsinformationen abrufbar sein, oft über QR‑Code oder Link.

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5. Lieferkettendruck & Entwaldungsverordnung (EUDR)

Die EU‑Entwaldungsverordnung (EUDR) trifft ab 30. Juni 2026 auch kleinere Händler, die bestimmte Rohstoffe bzw. Produkte (z.B. Holz, Kaffee, Kakao, Soja, Rindfleisch, Kautschuk) erstmals in der EU in Verkehr bringen oder solche importierte Waren verkaufen.

Händler müssen eine Sorgfaltspflichterklärung hinterlegen und nachvollziehbar dokumentieren, woher die Waren stammen, inklusive Geodaten des Ursprungsortes; ohne vollständige Dokumentation drohen Bußgelder, Produktrücknahmen und Handelssperren.

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6. Weitere relevante Themen bis/ab 2026

  • Verbraucher‑Kreditrichtlinie / Buy‑Now‑Pay‑Later: Für Händler, die Ratenkauf, Rechnungskauf oder BNPL anbieten, steigen die Informations‑ und Prüfpflichten; Details greifen überwiegend ab Ende 2026, sollten aber 2026 vertraglich eingeplant werden. Weitere Informationen zu dieser neuen Gesetzgebung finden Sie hier.
  • Nachhaltige Produktpolitik / Ökodesign: Die neue Ökodesign‑Verordnung ersetzt schrittweise die bisherige Richtlinie und verpflichtet Hersteller und Händler zu mehr Produktinformationen, Haltbarkeit und Reparierbarkeit, was auch Online‑Produktseiten betrifft. Weitere Informationen zu dieser neuen Gesetzgebung finden Sie hier.

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